Digital macht sexy.

Human Relations hat mit der Digitalisierung die Möglichkeit, zum Kristallisationspunkt des unternehmensinternen Wissensmanagement zu werden. Klassische Abläufe werden automatisiert, die Information der Mitarbeiter erhält eine neue Qualität. Das Unternehmen gewinnt an Attraktivität speziell für die werteorientierte Generation Y – ein strategischer Vorteil im War for Talents. Voraussetzung sind geeignete Tools.

Bild: Digital macht sexy.

 

Wer hinkt hinterher?

 

Ist der Begriff Megatrend steigerbar? Sollte er, denn die Digitalisierung beherrscht mit ihrer Allgegenwart jede Diskussion um die Zukunft von Unternehmen und Arbeitswelt. Da geht es um Gewinner und Verlierer, Chancen und Verluste. Auf einen Bereich richten sich fast zwangsläufig die Augen, wenn die Parade der Vorreiter und Nachzügler abgenommen wird.

 

Human Relations (HR) hat bei diesem Thema noch Potenzial. So zumindest klingt es in manchen Einschätzungen an. Zu Recht? 

 

Aus der Nähe betrachtet

 

Ganz handfest erfährt man es in der eLearning Benchmarking Teilstudie 2016 von Cornerstone OnDemand, dem Anbieter von Software für Learning und Talent Management. Digitalisierung mit Talent-Management-Systemen ist danach nur in 22,5 % der befragten Unternehmen zu beobachten – Tendenz steigend, wenn es um die Absichten geht. Ein Schlaglicht, denn Cornerstone OnDemand hat sich bewusst auf einen Ausschnitt konzentriert.

 

Die Studie „Benchmarking HR Digital Transformation“ geht mit einem breiteren Ansatz an den Kern der Sache. Auf der Basis umfangreicher Daten und Fakten erscheinen weitere Facetten. Der Auftraggeber Promerit tat sich mit TNS Infratest zusammen, um 126 Personalverantwortliche aus 15 DAX- sowie weiteren Unternehmen im Raum Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein zu befragen. Round Tables lieferten neben quantitativen auch qualitative Einsichten.

 

Angekommen, aber noch lange nicht am Ziel

 

Als überraschendes Ergebnis präsentiert Promerit, „dass bereits mehr als die Hälfte der Unternehmen Digitalisierung sowohl in der Unternehmensstrategie als auch in ihrer HR-Strategie verankert hat.“ Innerbetrieblich geht die IT naturgemäß voran, HR folgt mit 52 % bezogen auf die Umsetzung. „Digitalisierung ist als strategisches Thema für HR angekommen.“ Bei Rekrutierung, Weiterbildung und der gesamten Personalverwaltung, also den klassischen  HR-Prozessen, bleibt jedoch „noch viel Raum für neue Möglichkeiten“.

 

Und was dann?

 

Das ist ein interessanter Punkt, der bereits an anderer Stelle in die Debatte getragen wurde. Denn wenn es den HR-Bereichen an dieser Stelle gelingt, sich von Standardaufgaben zu entlasten, entstehen neue Freiräume. Welche Schwerpunkte kann HR jetzt übernehmen? Ideen liegen auf dem Tisch. Der Bereich HR könne sich stärker an der Wertschöpfung des Unternehmens beteiligen, so eine Stoßrichtung. Das Wissens- und Innovationsmanagement gewinnt stark an Bedeutung, sagt Joël Luc Cachelin von der Schweizer „Wissensfabrik“.

 

Die neue HR-Agenda

 

Mit den Gesprächen am Round Table gibt die Promerit-Studie wichtige Stichworte, die das bisher Gesagte unterstreichen und ergänzen. So könne sich HR daran machen, den Digital Workplace zu gestalten. Flexibilisierung von Arbeitsort und Arbeitszeit erlaubten, den Arbeitsalltag der Zukunft ganz an den Bedürfnissen der Arbeitnehmer zu orientieren. Von Inspiring Working Conditions ist die Rede, inspirierenden Arbeitsbedingungen. Dann wird der Begriff Collaboration-Plattform in die Runde gegeben. HR ermögliche es damit, „in Netzwerken zu arbeiten, sich auszutauschen, Ideen zu generieren und das über Hierarchie- und Bereichsgrenzen hinweg.

 

Digitalisierung sprengt Grenzen

 

Digitalisierung hebe Grenzen in der Kommunikation und Zusammenarbeit im Unternehmen auf und ermögliche völlig neue Organisationsformen. So entstehe Transparenz für jeden Mitarbeiter mit der Chance, die Entwicklung des eigenen Bereichs mitzugestalten. In Abwandlung der bereits genannten Formel kann man von einem Wissens- und Informationsmanagement sprechen. Genau darin liege die wichtigste Aufgabe des künftigen HR.

 

Die Facebook-Unternehmenskultur

 

Die Vorteile sind unverkennbar. Sie gehen noch über die Grenzen des Unternehmens hinaus. Denn wer mit Digitalisierung einladende, offene Strukturen schafft, macht sich attraktiv für Menschen, denen an diesen Werten viel liegt. Für die Generation Y, die Digital Natives, all jene, die mit Facebook, Instagram und Austausch im Internet aufgewachsen sind.

 

Siewollen Grenzen überschreiten, sich selbst verwirklichen, selbstbestimmt und kooperativ arbeiten. Sie bilden die Zielgruppe, die jeder HR-Bereich adressieren muss. Gute Karten hat ein Unternehmen, das diesen Menschen optimale Bedingungen zur Verfügung stellt.

 

Gemeinsam besser

 

Wenn HR bei der Rekrutierung reüssieren möchte, braucht es also geeignete Tools, die den Wunsch nach Offenheit und Kommunikation unterstützen. Geeignet sind Plattformen, die in sich die Aufhebung starrer Grenzen und Funktionen abbilden. Denn gerade die Einheit aus Wissen, Lernen und Social Media Austausch ist heute die zeitgemäße Anforderung an unternehmenseigene Systeme.

 

Sich individuell Informationen anzueignen, etwas zu lernen und im gleichen Zug mit anderen darüber zu sprechen, Anwendungsmöglichkeiten zu diskutieren, ist für viele Jüngere inzwischen fast ein Automatismus. Überhaupt ist der Kontakt quer durch die Organisation ein natürlicher Reflex. Networking eben, das jeder aus seinem privaten Bereich kennt. Deshalb sind Kontaktkanäle und Chat-Funktionen eine wünschenswerte Ausstattung für die Mitarbeiter von heute und morgen. Im Vordergrund steht Konvivialität statt Hierarchie, gefördert durch eine digitale Infrastruktur, die Mitarbeiter zu Dialog und Zusammenarbeit einlädt. Denn zugleich registriert die Studie einen „Trend weg von individueller Zielerreichung hin zu Team- und Bereichszielen.“

 

Agil und innovativ = attraktiv

 

Digitalisierung entpuppt sich also in mehrfacher Hinsicht als Erfolgsfaktor. Digitale Unternehmen erscheinen in der Wahrnehmung von außen als erfolgsorientiert, innovativ, modern und als Arbeitgeber nach Wunsch. Das macht sie attraktiv genug, um neue Talente zu gewinnen und Mitarbeiter auf Dauer zu binden.

 

Doch wie geht man es an? Die Promerit-Studie formuliert dazu ein paar schöne Gedanken, die man nicht übergehen sollte. Es braucht eine agile Kultur, um die digitale Transformation voranzubringen. Gefragt sind Qualitäten wie Neugierde, Offenheit und Veränderungsbereitschaft. „Kommunikation, Dialog und Role Models auf höchster Führungsebene sind die Mittel, die in Kombination eingesetzt werden müssen.“

 

Quellen:

Cornerstone OnDemand: "Digitalisierung in HR Fehlanzeige?", http://go.cornerstoneondemand.com/DE_2016_04_SubsurveyTM_EML_Survey_LP.html

 

Promerit AG mit TNS Infratest: "Benchmarking HR Digital. (Wie) schafft HR die Transformation?", http://promerit.de/2016/06/benchmarking-hr-digital-wie-schafft-hr-die-tr...

 

Joël Luc Cachelin im Interview mit Sabine Schritt: “HR-Abteilungen, die das Umdenken nicht schaffen, werden überflüssig”. Interview zur Zukunft der Personalabteilung, https://www.wissensfabrik.ch/interview-zukunft-hrm/ (usprünglich erschienen in HR Today Special 4/2012)